Hätte ich… – Ein Artikel über das gehen oder bleiben

Wer meinen offenen Brief an meine Frau gelesen hat, dachte wir sind getrennt oder haben uns getrennt. Und viele wollten verständlicher Weise mehr erfahren: Was ist denn passiert? Und ich antworte: Ich habe viele Fehler gemacht. Und hätte ich eine Zeitmaschine würde ich mich selbst warnen um diese Fehler nicht erneut zu machen. Und so kann ich nur euch warnen, nie diesen Schritt über die Grenze hinaus zu gehen. Besonders wenn Kinder im Spiel sind. 

Und ich schreibe hier von Fehlern, die das komplette Familienleben auf den Kopf gestellt haben in den letzten Monaten. Und von Entscheidungen, vor denen sicher nicht nur ich alleine gestanden habe. Und von den letztendlich falschen Wegen, die ich dabei gegangen bin, weil ich nicht zu schätzen gewusst habe, was ich eigentlich zu Hause habe. Eine Ehefrau, die mich immer unterstützt und zu mir gehalten hat. Wirklich immer. Die mir immer treu gewesen ist – bis heute. Und das habe ich leider mit Füssen getreten. 

Gegenseitige Sympathie als Venusfliegenfalle

Denn sind wir ehrlich: Bekommen wir Bestätigung oder Komplimente von anderen Personen schmeichelt uns das. Und kommt das von Personen, mit denen wir uns gut verstehen und es knistert dabei, muss man sich entscheiden. Der vernünftige Mensch in einer Partnerschaft oder Ehe würde natürlich sofort abblocken und klar definieren wohin die Reise geht und wohin nicht. Der unvernünftige Mensch würde sich darauf einlassen und geht damit über eine Grenze. Ist diese Grenze einmal überschritten und man lässt sich darauf ein, muss man auch für sich entscheiden ob man es heimlich tut oder dem Partner davon erzählt.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Partner nicht immer das auch wissen will, was euch aber nicht davon befreit, es zu tun. Das ist kein Freifahrtschein. Und entscheidet ihr euch wie ich für eine zu späte Transparenz, während ihr es eigentlich schon allen anderen um euch herum erzählt habt, macht es das noch viel schlimmer. Also wenn ihr mal an den Punkt kommt, jemanden kennen lernt und es knistert, lasst es sein. Der Schmerz, das Leid, der Ärger, die Streitigkeiten, die Kinder die alles mitbekommen – das alles ist es nicht wert. Vielleicht irre ich mich auch und alles wird super toll und besser. Ich weiß es nicht. Das sieht jeder am Ende selbst. 

Neues ist immer aufregend

Und ja, ,etwas neues ist schön und aufregend, aber irgendwann ist auch da der Alltag da und das Spielchen beginnt von vorne. Und hier glaube ich, dass wenn man einmal den Weg gegangen ist und all den Stress überwunden hat, ist die Hemmschwelle viel kleiner beim nächsten Mal den Schritt zu gehen. Denn ihr habt ja schon das Schlimmste erlebt, was euch passieren kann. Ihr habt euch gegen den eigenen Partner entschieden, mit oder ohne Kinder, mit dem ihr lange zusammen wart – was kann also schlimmer sein? Und so beginnt das Partner-Hopping. 

Aber nicht nur über euch und eurer Familie bringt ihr Leid und Schmerz. Nein, auch die andere Seite leidet. Wohlmöglich hat die andere Seite schon alles hinter sich. Die Trennung. Das räumliche Trennen. Das Umfeld bereits aufgeklärt, dass da jemand Neues kommen wird. Und wartet dann auf euch. Will eine Entscheidung. Will euch. Und ihr bleibt wo ihr seid. Aus welchen Gründen auch immer. Aus Liebe. Wegen der Kinder. Denn zu gehen ist das schwierigste. Los zu lassen. Und desto länger ihr nachdenkt und euch um schaut, desto unwahrscheinlicher ist es auch, dass ihr gehen werdet. Was aber gar nicht schlecht ist, denn es beweist, dass ihr euch eurer Fehler bewusst seid und euch die Familie doch wichtig ist und ihr eben keine Charakterschweine seid und einfach geht. Denn niemand sollte einfach gehen. Und dann kommt ihr an einen Punkt wie ich. An den Punkt wo ihr sagt „Hätte ich…“. 

Vielleicht haben auch andere keine Probleme damit zu gehen. Aber wollt ihr wirklich gehen, redet. Und damit meine ich nicht streiten. Redet. Erklärt. Und wenn ihr Kinder habt, bleibt gute Eltern. Erklärt es ihnen. Streitet nicht vor ihnen. Aber jeder geht mit einer Situation natürlich anders um. Reagiert und handelt anders. Ich kann nur Tipps geben basierend auf meinen Erfahrungen die ich gemacht habe.

Gehen oder Bleiben? 

Tja, und wenn ihr dann gegangen seid und merkt, dass es doch nicht das Gelbe vom Ei ist, dann wisst ihr, dass es das nicht wert war. Oder es funktioniert super und ihr habt eure Liebe des Lebens gefunden. Versteht ihr: Es gibt hier kein Musterbeispiel. Es gibt einfach sehr viele Variablen und Möglichkeiten wie eine Sache ausgeht. Und selbst wenn es sehr gut ausgeht, würde ich dennoch raten, es nicht zu tun, da ihr eben nicht wisst, ob es gut ausgehen wird. Ist es das Risiko wert? Ich weiss es nicht. Das muss jeder für sich entscheiden. 

Ich kann nur sagen, dass die letzten Monate schwer waren. Denn auch in eurem Kopf und euren Gefühlen spielt sich eine Menge ab. Es raubt euch Kraft, Schlaf, Energie und den Kopf für andere Dinge.

Nun fragt ihr euch vielleicht was mit uns ist. Was mit meiner Ehe oder der anderen Person ist. Und ich antworte: „Hätte ich….“

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